Allein reisen als Frau über 50 – meine Ängste, meine Stärke, mein erstes Mal

Der Camper war längst gebucht – dann kam die Trennung. Wochen vorher. Nicht geplant, nicht sanft, nicht zu einem passenden Zeitpunkt. Einfach da. Es war eine Reise, auf die ich mich gefreut hatte.

Plötzlich stand diese Fahrt im Raum und die Frage: Was mache ich jetzt damit?
Stornieren? Verschieben? Alles absagen, weil das Leben gerade anderes im Sinn hat?

Das Versprechen an meine Tochter – und die Entscheidung zu fahren

Und dann war da noch etwas: ein Versprechen an meine Tochter.
Dass wir fahren. Dass wir das machen. Dass wir uns diese Zeit nehmen.
Also sind wir losgefahren. Zu zweit. Mit Hund. Ohne Partner. Ohne Sicherheitsnetz.
Über 3000 Kilometer bis nach Kroatien.

Nicht als große Heldinnengeschichte. Eher mit einem Knoten im Bauch.

Zweifel und Ängste auf der Fahrt

Ich erinnere mich an den Moment, als wir losfuhren. Der Camper vollgepackt, der Hund auf seinem Platz, die Autobahn vor uns. Und in mir dieses leise: Schaffe ich das?
Nicht nur das Fahren. Sondern das Ganze. Die Verantwortung. Die Situation. Die neue Realität.

Allein reisen als Frau über 50 ist in so einem Moment nicht romantisch. Es ist nüchtern. Praktisch. Und ein bisschen beängstigend.
Was, wenn etwas mit dem Auto ist?
Was, wenn ich müde werde?
Was, wenn mir alles zu viel wird?
Was, wenn ich krank werde?

Diese Gedanken sind ehrlich und schwer wegzudrücken.

Der steile Campingplatz auf Krk – eine kleine Herausforderung

Als wir schließlich auf der Insel Krk ankamen, wartete eine weitere Prüfung auf mich: der Campingplatz. Er lag so steil, dass ich den Camper nur im ersten Gang den Hang hinauffahren konnte. Ich musste den Platz mindestens zweimal umrunden, bevor ich den Stellplatz endlich erreichte. Und dort blieb das Wohnmobil dann auch die nächsten zwei Tage stehen, haarscharf an der Mauer vorbei geschrammt.

Das Einparken war eine Mischung aus Konzentration, vorsichtigem Rangieren und einem ordentlichen Schuss Nervosität. Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug, aber ich schaffte es. Dieses kleine Erfolgserlebnis gab mir mehr Sicherheit, als ich erwartet hatte.

Der Weg wird klarer – Schritt für Schritt

Gleichzeitig war da keine Wahl. Wir waren unterwegs. Und mit jedem Kilometer wurde etwas ruhiger in mir. Nicht leichter, aber klarer. Ich merkte: Ich funktioniere. Ich treffe Entscheidungen. Ich halte die Spur.

Die Tage unterwegs hatten ihren eigenen Rhythmus. Pausen an Raststätten, kurze Spaziergänge mit dem Hund, Gespräche mit meiner Tochter über alles und nichts. Über die Trennung, über die Zukunft, über Ängste, über Hoffnungen. Diese Gespräche, die man nicht plant und die doch kommen, wenn man gemeinsam unterwegs ist und die Landschaft vorbeizieht.

Ankommen und Raum zum Atmen

In Kroatien angekommen, war nichts „heile Welt“. Aber es war Raum.
Raum zum Atmen. Raum zum Nachdenken. Raum, um einfach da zu sein.

Ich saß oft vor dem Camper, schaute aufs Meer und dachte: Ich bin hier. Ich habe das geschafft. Nicht als Triumph, eher als leise Feststellung.
Ich bin gefahren. Ich habe organisiert. Ich habe Verantwortung getragen. Für mich, für mein Kind, für den Hund, für diese Reise.

Was ich gelernt habe – Stärke im Weitergehen

Dieses erste Alleinreisen war nicht freiwillig im klassischen Sinn. Es war aus einer Situation heraus geboren, die ich mir nicht ausgesucht hatte. Vielleicht war es gerade deshalb so prägend. Weil es mir gezeigt hat, dass Stärke nicht immer laut ist. Manchmal ist sie einfach das Weitergehen.

Über 3000 Kilometer sind wir gefahren. Durch Länder, durch Gedanken, durch eine Übergangszeit.Und irgendwo zwischen Autobahn, Küste und Campingplatz habe ich verstanden: Allein reisen heißt nicht, allein zu sein. Es heißt, sich selbst zu vertrauen, auch wenn das Leben gerade wackelt.

Diese Reise war mein erstes Mal. Nicht als Solo-Abenteuer im Sinne von „ich will mich selbst finden“. Sondern als Schritt in eine neue Wirklichkeit.
Und vielleicht war sie genau deshalb so wichtig.


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