Urban Farming in Wien: Die City Farm im Augarten entdecken

An manchen Tagen brauche ich keinen Museumsbesuch und keine Stadtführung. Ich brauche einfach einen Ort, der entschleunigt. Die City Farm im Augarten ist genau so ein Ort.

Mitten in der Stadt wächst hier Gemüse, lernen Kinder den Umgang mit Pflanzen, und Erwachsene entdecken wieder, wie viel Geduld Natur braucht.

Ich besuche die Anlage an einem Tag, an dem der jährliche Jungpflanzenmarkt stattfindet. Schon am Eingang wird deutlich, wie beliebt dieser Termin ist. Menschen tragen Kartons voller junger Pflanzen über das Gelände, manche gleich mehrere auf einmal.

Die City Farm Wien im Augarten ist kein klassischer Park und auch kein gewöhnlicher Garten. Sie versteht sich als Lernort, als Treffpunkt und als kleines Stück Landwirtschaft mitten in der Stadt. Mehr als 4.000 Quadratmeter innerstädtische Gartenfläche werden hier nach biologischen Prinzipien bewirtschaftet.

Die Idee dahinter entstand aus dem Wunsch, die Vielfalt von Gemüsepflanzen und die Freude am Gärtnern möglichst vielen Menschen in der Großstadt zugänglich zu machen – nicht theoretisch, sondern durch eigenes Erleben.

Frühling zwischen Wind und ersten Pflanzen

Die Sonne scheint, doch der Wind pfeift uns kräftig um die Ohren. Es ist einer dieser typischen Frühlingstage, an denen man merkt, dass die Saison gerade erst beginnt. Noch ist nicht alles grün und üppig, vieles wirkt im Übergang – genau zwischen Winter und Neubeginn.

In einigen Beeten stehen noch die letzten Winterpflanzen. Besonders auffällig sind die verschiedenen Kohlsorten. Von sattem Grün bis zu tiefem Violett leuchten die Blätter in der Sonne, auch wenn man ihnen ansieht, dass ihre beste Zeit bereits hinter ihnen liegt.

Viele Pflanzkästen sind noch leer. Die neuen Setzlinge warten offenbar darauf, in den kommenden Wochen eingesetzt zu werden. Auf den ersten Blick wirkt das Gelände deshalb weniger spektakulär, als man es vielleicht erwartet hätte. Doch gerade diese Phase erzählt viel über das Gärtnern.

Ein Garten entsteht nicht auf Knopfdruck. Er wächst Schritt für Schritt.

Ein Markt voller Vorfreude

Ganz anders wirkt der Bereich rund um den Jungpflanzenmarkt. Hier herrscht reges Treiben.

Viele Besucher tragen Kartons mit kleinen Pflanzen vor sich her. Manche haben gleich mehrere Kisten dabei – offenbar planen sie größere Projekte auf Balkonen, in Innenhöfen oder in kleinen Gärten. Die Auswahl reicht von klassischen Küchenkräutern bis zu verschiedenen Gemüsesorten.

Man merkt schnell: Dieser Markt ist kein Geheimtipp mehr. Er gehört für viele Menschen fest zum Frühling in Wien.

Besonders spannend finde ich die Atmosphäre. Es geht nicht hektisch zu, sondern konzentriert und ruhig. Menschen schauen sich Pflanzen genau an, vergleichen Sorten und tauschen sich aus. Hier wird nicht einfach eingekauft – hier wird geplant.

Lernen, dass Natur Zeit braucht

Im hinteren Teil des Geländes liegen zahlreiche Beete, die speziell für Schulklassen angelegt wurden. Hier wird Gartenarbeit nicht nur gezeigt, sondern aktiv gelernt.

Kinder erfahren, dass Pflanzen Zeit brauchen und dass Wachstum nicht beschleunigt werden kann. Ein Beet muss geplant werden, und dabei spielen viele Faktoren eine Rolle.

Pflanzen werfen Schatten. Deshalb ist die Reihenfolge im Beet entscheidend. Höhere Pflanzen dürfen kleinere nicht verdecken, und der Sonnenstand beeinflusst, wie gut etwas wächst.

Ein besonders anschauliches Beispiel sind Radieschen und Karotten. Radieschen wachsen schnell und liefern rasch ein sichtbares Ergebnis. Karotten dagegen brauchen Geduld. Wartet man mit der Ernte zu lange, werden sie innen holzig – eine Erfahrung, die sich wohl kaum besser erklären lässt als direkt im Beet.

Diese einfachen Zusammenhänge wirken hier fast selbstverständlich. Und genau darin liegt ihre Stärke.

Urban Farming als Teil des Stadtlebens

Während ich über das Gelände gehe, wird mir klar, wie wichtig solche Orte für eine Stadt sind.

Urban Farming bedeutet nicht nur Gemüseanbau. Es geht darum, Menschen wieder näher an ihre Lebensmittel heranzuführen. Viele Kinder wachsen heute ohne direkten Bezug zur Landwirtschaft auf. Gemüse kommt aus dem Supermarkt, sauber verpackt und jederzeit verfügbar.

Hier sieht man den anderen Teil der Geschichte.

Man erkennt, wie viel Planung hinter einem Beet steckt. Wie abhängig Pflanzen vom Wetter sind. Und wie viel Geduld notwendig ist, bis etwas geerntet werden kann.

Gerade in einer großen Stadt wie Wien schafft Urban Farming einen neuen Bezug zur Natur.

Vom Beet in die Stadt: Regionale Produkte bei Mein Klang

Während ich die vielen Jungpflanzen sehe, denke ich unweigerlich daran, wo all diese Lebensmittel später landen. Urban Farming endet schließlich nicht im Beet – es geht auch darum, wie Produkte ihren Weg in die Stadt finden.

Ein gutes Beispiel dafür ist Mein Klang, ein sehr beliebter Hofladen mit einem Geschäft in Wien und einem landwirtschaftlichen Betrieb außerhalb der Stadt.

Ich habe den Stadtladen besucht und schnell verstanden, warum dieser Ort so geschätzt wird. In den Regalen stehen frisches Gemüse, Brot, Eier und andere regionale Produkte. Vieles stammt direkt vom eigenen Hof in Niederösterreich.

Mehr über regionale Produkte und neue Foodkonzepte am Naschmarkt findest du hier.

Hier wird sichtbar, wie eng Stadt und Landwirtschaft miteinander verbunden sein können. Während auf der City Farm Wissen über Pflanzen vermittelt wird, zeigt Mein Klang, wie regionale Lebensmittel schließlich ihren Weg in den Alltag der Menschen finden.

Gerade an Tagen wie dem Jungpflanzenmarkt wird deutlich, wie groß das Interesse an regionalen Produkten ist. Viele Besucher gehen mit Kartons voller Setzlinge nach Hause – vielleicht als Vorbereitung für den eigenen Balkon oder Garten.

Solche Orte zeigen, dass Urban Farming längst mehr ist als ein Trend. Es ist Teil einer Bewegung, die Menschen wieder näher an ihre Lebensmittel bringt.

Die Geschichte der City Farm im Augarten

Während unseres Besuchs erfahren wir auch mehr über die Geschichte dieses besonderen Ortes. Hinter der City Farm Wien im Augarten steht eine klare Vision: Die Vielfalt von Gemüse und die Freude am Gärtnern sollen möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden.

Diese Idee geht auf Wolfgang Palme zurück, der seit vielen Jahren im Bereich Gemüsebau forscht und unterrichtet. Schon lange bevor Gemüse in der modernen Küche eine zentrale Rolle spielte, beschäftigte er sich intensiv mit der Vielfalt alter Sorten und nachhaltigen Anbaumethoden.

Gemeinsam mit Partnern aus Gastronomie und Medien entwickelte sich daraus ein Projekt, das Wissen über Lebensmittel und praktisches Gärtnern miteinander verbindet.

Vom Schönbrunner Garten in den Augarten

Ursprünglich begann das Projekt in Schönbrunn. Mit wachsender Bekanntheit wurde jedoch ein zentralerer Standort notwendig.

Im Sommer 2018 zog die City Farm schließlich in den Augarten um – eine deutlich besser erreichbare Lage mitten in Wien. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wurden die Gebäude im Jahr 2020 vollständig bezogen.

Heute stehen hier mehr als 4.000 Quadratmeter innerstädtische Gartenfläche zur Verfügung. Der zentrale Innenhof verbindet die Gebäude miteinander und führt direkt zu den Beeten und Gewächshäusern.

Dass ein solch großer Garten mitten in einer Großstadt existiert, wirkt fast überraschend.

Gemüsevielfalt statt Supermarkt-Einheitsware

Ein besonderes Merkmal der City Farm ist die enorme Vielfalt der angebauten Pflanzen. Viele Sorten wachsen hier, die man in normalen Supermärkten kaum findet.

Der sogenannte Pfad der Gemüsevielfalt verbindet verschiedene Themenbeete miteinander. Dort wachsen unterschiedlichste Arten und Sorten nebeneinander – ein anschauliches Beispiel dafür, wie vielfältig Gemüse tatsächlich sein kann.

Auch die Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich von industrieller Landwirtschaft. Die Beete werden dicht bepflanzt, der Boden nicht umgegraben, sondern schonend gelockert. Nach jeder Ernte wird neu bepflanzt, sodass die Fläche möglichst effizient genutzt werden kann.

Kompost sorgt für geschlossene Nährstoffkreisläufe, während moderne Technik nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Ein ruhiger Ort mit großer Wirkung

Trotz der vielen Aktivitäten wirkt die City Farm Wien im Augarten auf mich wie ein ruhiger Rückzugsort.

Es ist kein hektischer Ort, sondern ein Platz, an dem man innehält. Zwischen den Beeten entsteht eine Atmosphäre, die entschleunigt. Vielleicht liegt es daran, dass hier alles in seinem eigenen Tempo wächst.

Gerade an einem windigen Frühlingstag wie diesem spürt man, wie stark Natur und Stadt hier miteinander verbunden sind.

Der Wind weht über die Beete, während Besucher ihre Jungpflanzen nach Hause tragen. Manche planen vielleicht den ersten eigenen Balkon-Garten, andere bereiten sich auf eine neue Saison im Garten vor.

Mein persönlicher Eindruck

Als ich die City Farm verlasse, bleibt bei mir vor allem ein Gedanke hängen: Gärtnern bedeutet Geduld.

Nicht alles wächst sofort. Viele Beete sind noch leer, manche Pflanzen sehen müde aus, andere stehen erst am Anfang. Doch genau das gehört dazu.

Diese Erfahrung wirkt erstaunlich beruhigend.

In einer Zeit, in der vieles schnell gehen muss, erinnert ein Ort wie dieser daran, dass gutes Wachstum Zeit braucht.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieses Besuchs.

Nicht nur für Pflanzen – sondern auch für uns selbst.

Praktische Informationen zur City Farm im Augarten

Die City Farm liegt im Wiener Augarten und ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Besonders beliebt sind Veranstaltungen wie der Jungpflanzenmarkt im Frühjahr oder Workshops rund um Gemüseanbau und nachhaltiges Gärtnern.

Wenn du Wien insgesamt zu Fuß erkunden möchtest, findest du hier einen weiteren ausführlichen Spaziergang durch die Wiener Innenstadt.

Weitere Reisetipps für Wien findest du in meinem großen Überblick über Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse in Wien.

Text und Fotos Britta Smyrak

Auf diese Pressereise wurde ich von Wien Tourismus eingeladen.

Total
0
Shares
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Prev
Durch Wiens Grätzl: Vom Freihausviertel zum Spittelberg

Durch Wiens Grätzl: Vom Freihausviertel zum Spittelberg

Table of Contents Hide Wien verstehen: Bezirke, Ringstraße und GrätzlArchitektur

Next
Gdynia. Ein Name, den ich vorher nicht kannte und den ich nun nie mehr vergessen werde.

Gdynia. Ein Name, den ich vorher nicht kannte und den ich nun nie mehr vergessen werde.

Table of Contents Hide Eine Stadt, die aus dem Nichts entstandDas Café Strych